Was bedeutet das alles? - Ein philosophischer Lese- und Gesprächskreis - Probleme des Schuldbegriffs

Kursnummer:
211-14020
Kursstatus:
Kurs frei - Anmeldung möglich
Beschreibung:

Vieles deutet darauf hin, dass es gegenwärtig eine starke Tendenz zur einer diffusen Entgrenzung des Schuldbegriffs gibt. Schuldig macht sich der einzelne Mensch nicht mehr nur für sein eigenes moralisches Fehlverhalten, sondern bereits für seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Lebensform oder zu einem bestimmten Kulturkreis. Selbst die eigene Identität, so scheint es, kann zum Gegenstand der Schuldzuschreibung werden, wie die Philosophin Maria-Sibylla Lotter in ihrem Essay von 2019 "Ich bin schuldig, weil ich bin (weiß, männlich und bürgerlich)" zu zeigen versucht hat. Eine von der konkreten, objektiven Täterschuld abgekoppelte kollektive Schuldzuschreibung hat in unserer Kultur eine lange und komplizierte Geschichte. Sie geht bis auf die antiken (Ödipus) und christlichen (Erbsünde) Schuldvorstellungen zurück und reicht in der Gegenwart bis zum Begriff der historischen "Kollektivschuld". Eine gute Orientierungshilfe in diesem Dickicht von Schuld, Schuldzuschreibungen und Schuldgefühlen bietet Karl Jaspers Versuch ("Die Schuldfrage", 1946), zwischen krimineller, politischer, moralischer und metaphysischer Schuld zu unterscheiden.

Ankündigung:
Unsere Präsenztermine finden erst wieder nach Beendigung des Lockdowns statt.
Zeitraum:
Do. 10.06.2021 - Do. 27.05.2021
Dauer:
12x
Uhrzeit:
18:00 - 19:30 Uhr
Dozent(en):
Kurstermine:
Kursort(e):
Kosten:
68,00 € ermäßigbar